To comply with human rights is a question of image
Companies which take pains to comply with human rights are not more successful than others. Nevertheless, the topic takes on greater significance.
Companies do not increase their profits directly by sticking to human rights. No study has proven a relation between financial success and the expenses for human rights yet.
Source: Tagesanzeiger March 4th, 2008 – Menschenrechte einzuhalten ist auch eine Image-Frage, Angela Barandun, Rüschlikon
Firmen, die sich Mühe geben, die Menschenrechte einzuhalten, sind nicht erfolgreicher als andere.Trotzdem wird das Thema in der Geschäftswelt immer wichtiger. Menschenrechte einzuhalten schlägt für Firmen nicht direkt aufs Portemonnaie durch. Keine Studie konnte bisher einen Zusammenhang zwischen dem finanziellen Erfolg einer Firma und den Ausgaben für die Einhaltung der Menschenrechte feststellen. Gemäss Klaus Leisinger, der die Novartis-Stiftung für nachhaltige Entwicklung leitet und an der Uni Basel als Professor für Soziologie tätig ist, liegt das daran, dass längst nicht alle Menschenrechtsverletzungen auffliegen. «Darum zahlen sich Investitionen in Gegenmassnahmen nicht automatisch aus.» Umgekehrt sei es aber schlichtweg unmöglich, zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Unternehmen zu gehören, wenn man im Ruf steht, Menschenrechte zu verletzen. «Wird bekannt, dass eine Firma die Menschenrechte verletzt, entspricht das in jedem Fall einem Erdbeben der Stärke 8 auf der Richterskala», so Leisinger.
Mit den Worten von Credit-Suisse-Verwaltungsratspräsident Walter Kielholz: «Starke Marken wie die Credit Suisse haben einen immateriellen Wert, der durch Menschenrechtsverletzungen zerstört werden kann.» Oder vielmehr: durch das Bekanntwerden von Menschenrechtsverletzungen. Die Investitionen dienen daher vor allem auch der Risikominimierung.
Auch für Migros-Chef Herbert Bolliger ist klar, dass sein Unternehmen es sich nicht leisten kann, in Sachen soziale Arbeitsbedingungen und Menschenrechte nachlässig zu sein: «Die Ansprüche der Gesellschaft haben sich verändert», so Bolliger. «Aber wir wollen, dass unsere Kunden auch in Zukunft mit gutem Gewissen bei uns einkaufen können.» Leisinger, Kielholz und Bolliger sprachen gestern anlässlich einer Tagung von Human Rights Watch in Rüschlikon über ihr Engagement für die Menschenrechte. An der Veranstaltung wurde aber auch klar, dass sich Firmen – trotz guter Vorsätze – nicht vollständig vor Menschenrechtsverletzungen innerhalb ihrer Lieferkette schützen können. «Irgendetwas geht immer schief», sagt Arvind Ganesan, der für Human Rights Watch in New York arbeitet. Er nennt es das «Business Week»Dilemma: «Immer wenn ein Unternehmen als herausragendes Beispiel auf der Frontseite des Wirtschaftsmagazins landet, passiert nachher etwas», so Ganesan. Sein persönliches Paradebeispiel: Eine «Business Week» mit Enron auf der Titelseite.
Ein anderes Beispiel ist der US-Kleiderriese Gap. «Er hat vor einigen Jahren die strengsten Kontrollen für seine Zulieferbetriebe eingeführt, die ich kenne», sagt John Morrison, der früher für Body Shop arbeitete und nun versucht, ein globales Institut für Menschenrechte aufzubauen. Obwohl Gap heute als eine der führenden Firmen im Kampf um soziale Arbeitsbedingungen und Menschenrechte gilt, landete es vor einigen Monaten mit einem Fall von Kinderarbeit in Indien in der Presse. «Selbst mit strengen Systemen kann man so etwas nie ausschliessen», so Morrison.
Umso wichtiger sei es, dass man als Firma offen kommuniziere und das Problem der Menschenrechtsverletzungen proaktiv angehe: «Nur wer potenzielle Menschenrechtsverletzungen von sich aus angeht, im Geschäftsalltag Wege findet, mit solchen Problemen umzugehen, und offen kommuniziert, kann eine Katastrophe verhindern», glaubt Morrison.