Mit Design Thinking verzwickte Innovationsprobleme lösen

Einleitung

Sei es durch die Auswirkungen der Globalisierung oder technische Veränderungen – unsere Gesellschaft und damit unser Wirtschaftsleben wird komplexer. Die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten, diversifiziert sich, wird schneller und somit anspruchsvoller. Der zunehmende Veränderungsdruck betrifft auch privatwirtschaftliche Unternehmen, die lernen müssen, mit der neuen Komplexität umzugehen und zeitgleich effektiv zu bleiben.
Dabei hilft nicht nur Lean Management, sondern auch Design Thinking.

Während Lean Management darauf abzielt, Verschwendungspotenziale zu erkennen und abzubauen, so dass Werte ohne unnötige Kosten geschaffen werden können, geht es bei Design Thinking noch konkreter darum, veraltete Denk-, Lern- und Arbeitsweisen abzulegen und kreative Lösungen für komplexe Probleme zu finden. Doch wie kann Design Thinking Ihnen helfen, in Ihrem Unternehmen noch ungenutzte Potenziale zu erkennen und auszuschöpfen? Darüber geben wir im Folgenden Antworten.

Design Thinking – was können wir davon lernen?

Lean, Agile und Design Thinking – so unterschiedlich die Innovationsmethoden auch sein mögen, sie alle haben zum Ziel, für den Anwender einen Mehrwert zu schaffen. Dabei können Innovationsbestrebungen von Unternehmen zu Unternehmen und sogar innerhalb eines einzigen Unternehmens sehr unterschiedlich aussehen; beispielsweise kann es um die Erforschung abstrakter Problemstellungen oder die Weiterentwicklung des Status Quo in einem bestimmten Marktbereich gehen.

Design Thinking geht systematisch an Probleme heran und geht davon aus, dass diese sich besser lösen lassen, wenn Menschen in einem kreativitätsfördernden Umfeld arbeiten. Während die Bedürfnisse und Motivationen aller berücksichtigt und gefördert werden, werden gemeinsam eine Fragestellung und darauf aufbauend Lösungskonzepte entwickelt, die in mehreren Prozessen überprüft werden.

Mittelpunkt der Methode und damit die Grundlage für das Lösen von Aufgaben bildet also der Mensch – konkrete technische Lösungen folgen schrittweise und mit dem Erkennen der Herausforderungen auf Seite des Kunden.

Durch das derart gestaltete Herantasten an verzwickte Innovationsprobleme lassen sich Bedürfnisse erkennen, die dem Anwender gar nicht bewusst sind und die er daher auch nicht selbst ansprechen kann.

Durch das schrittweise Vorgehen beim Design Thinking werden Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit einer Lösung oder Innovation faktenbezogen und systematisch untersucht. Wie sein Name schon sagt, orientiert sich das Verfahren an der Tätigkeit von Designern, also aus einer Mischung von Beobachten, Verstehen, Ideen finden, Verfeinern, Umsetzen und Dazulernen.

So weit, so gut – doch wie können Sie Design Thinking in Ihrem Unternehmen einsetzen, um ein innovativeres Denken anzustossen und den Herausforderungen unserer Zeit besser zu begegnen?

Richtig angewendet, hilft Design Thinking Ihnen, in Ihrer Organisation eine Arbeits- und Denkkultur zu schaffen, die nötig ist, um die digitale Transformation zu meistern. Wie das geht, zeigen die nächsten beiden Abschnitte.

Erfolgsfaktoren von Design Thinking

Abhängig vom Anwendungsbereich kann beim Design Thinking eine Vielzahl benutzerorientierter Methoden angewendet werden, die durch Visualisierung und Simulation sowie durch ein iteratives, nahezu forschendes Vorgehen gekennzeichnet sind. Gerade im Marketing werden zunehmend Methoden des Design Thinking verwendet, die geeignet sind, die Kundenbindung und den Vertriebserfolg zu steigern. Dazu gehört insbesondere die sogenannte “Customer Journey Map”, die auf der Grundlage von Feedback und Interviews die wichtigsten Interaktionsverläufe mit dem Kunden darstellt.

Die Map hält die vom Kunden erlebten Emotionen und Präferenzen an den verschiedenen Touchpoints – also Schnittstellen und Vertriebskanälen wie Onlineshop, Telefon, E-Mail und App – fest.

Basierend auf der Digitalisierung der Kommunikation mit dem Kunden und der steigenden Diversifizierung der Vertriebswege, lassen sich so individuelle Nutzerprofile und allgemeine Modelle für Kundengruppen entwickeln. Diese Modelle haben bestimmte Merkmale und Verhaltensweisen gemeinsam.

Durch die Design-Thinking-Methode gelingt es, Innovationen verstärkt entlang der tatsächlichen Bedürfnisse der Nutzer zu entwickeln. Dafür bedient sich das Design Thinking einiger Arbeitsweisen aus dem Design-Bereich, der bei der Erarbeitung von Lösungen explizit anwenderorientiert vorgeht.

Die für das Design Thinking so wichtige gemeinschaftliche Arbeits- und Denkkultur beruht demnach auf drei Elementen:

Multidisziplinäre Teams (People): Neue Ideen und Lösungen für komplexe Fragestellungen lassen sich am besten in heterogenen Teams finden. Teams werden gezielt interdisziplinär zusammengesetzt, so dass sich über die jeweiligen Fachgrenzen hinausgehende Ideen gegenseitig befruchten können. Die Diversität kann zudem über berufliche Grenzen hinausgehen und kultureller, nationaler oder geschlechtlicher Art sein. Wichtig ist das Vorhandensein unterschiedlicher Perspektiven auf dieselbe Thematik. An die Stelle von Konkurrenzdenken tritt das Bewusstsein von einer gemeinsamen Kultur, die zum Ziel hat, gemeinsam innovative Ideen zu entwickeln.

Variable Räume (Place): Das Entwickeln kreativer Ideen gelingt am besten in einer offenen, flexiblen Arbeitsumgebung, die sich spontan an die Bedürfnisse des jeweiligen Projekts anpassen lässt. Präsentationsflächen, White Boards und Materialien zur Gestaltung von Ideen gehören dazu genauso wie mobile Möbel und das Arbeiten im Stehen.

Innovationsprozess (Process): Der Design-Thinking-Prozess, den die Arbeitsteams durchlaufen, besteht aus iterativen Schleifen in sechs verschiedenen Phasen. Da es sich um einen Prozess handelt, der Innovation zum Ziel hat und sich daher auch in Unmöglichkeiten bewegt, braucht es eine offene Fehlerkultur. Die Nutzererfahrung steht dabei stets im Fokus der Entwicklung; es geht um empathisches Einfühlen und kreatives sowie analytisches Mitdenken.

Die Design-Thinking-Komponenten

Der klar strukturierte, iterative Prozess des Design Thinking sorgt für das frühe Entwickeln von Prototypen und hilft Ihnen, Erkenntnisse mehrfach zu rekapitulieren und gegebenenfalls zu überdenken. Sie haben sich bereits mit Methoden des Agile Management beschäftigt, um Risiken im Entwicklungsprozess zu minimieren? Dann werden Sie feststellen, dass sich Design Thinking und agile Methoden in einigen Grundannahmen überschneiden. Der Design-Thinking-Prozess besteht in der Regel aus sechs Schritten beziehungsweise Phasen:

Verstehen: Zu Beginn geht es darum, ein tiefgehendes Verständnis des Problems zu gewinnen und darauf aufbauend eine Fragestellung zu wählen, die die Bedürfnisse und Herausforderungen des Projekts aufgreift.

Beobachten: Auf die Fragestellung folgen Recherchen und Beobachtungen, um einerseits den Status Quo zu definieren und andererseits wichtige grundlegende Erkenntnisse zu gewinnen.

Point-of-View: Es folgt das Herunterbrechen der Beobachtungen auf einen prototypischen Nutzer. Dessen Bedürfnisse werden anhand einer klar definierten Frage und eingehendem Brainstorming herausgefiltert.

Ideenfindung: Die Innovation steht im Mittelpunkt des Design Thinking und entsteht vor allem im Prozess des Brainstormings und während der Entwicklung und Visualisierung unterschiedlicher Konzepte.

Das Design Thiking definiert für die Phase des Brainstormings klare Werte:

  • Arbeite visuell! (Be visual)
  • Nur einer spricht! (One conversation at a time)
  • Fördere verrückte Ideen! (Encourage wild ideas)
  • Stelle Kritik zurück! (Defer judgement)
  • Quantität ist wichtig! (Go for quantity)
  • Bleib beim Thema! (Stay on topic)
  • Baue auf den Ideen anderer auf! (Build on the ideas of others)

Prototyping: Um die Ideen zu testen, entwickelt man Prototypen und testet diese an der jeweiligen Zielgruppe.

Verfeinern: Das Konzept wird basierend auf den durch die Prototypen gewonnenen Erkenntnissen so lange verbessert, bis sich das optimale, nutzerorientierte Produkt herauskristallisiert. Das Verfeinern kann ebenso innerhalb jedes der vorangegangenen Schritte erfolgen.

Fazit

Während Lean für die Gesamtheit der Denk- und Arbeitsweisen steht, die zu mehr Effizienz in der gesamten Wertschöpfungskette beitragen, ist Design Thinking eine Methode, die sich in allen Lebensbereichen anwenden lässt, um komplexe Probleme zu lösen.

Dank der iterativen Vorgehensweise und des Anwendens von Mitteln und Denkweisen, die auch im kundenzentrierten Design-Bereich zum Einsatz kommen, ist es besser möglich, neue Gelegenheiten zu erkennen und sich direkt vom Anwender inspirieren zu lassen.

Beim Design Thinking geht es darum, prototypisches Denken zuzulassen, indem “man es einfach tut”. Neben der Prototypisierung ist ausserdem die schnelle Überarbeitung von Ideen ein Schlüssel des Design-Thinking-Prozesses.

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