Balanced Scorecards

Wie die Balanced Scorecard Unternehmen hilft, Mission, Vision und Strategie zu leben

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Jeder Unternehmer würde von sich behaupten, dass er für sein Unternehmen eine Vision, eine Mission und eine klare Strategie hat. Wie gut diese allerdings in der Organisation bekannt sind und gelebt werden, steht auf einem anderen Blatt. Besonders aber in Krisenzeiten hilft es, Stärken und Schwächen zu kennen und genau zu wissen, welche Massnahmen zu ergreifen sind, um langfristig im Markt zu bestehen. Eine ausgearbeitet Strategie ist also unabdingbar, um Firmen weiter zu entwickeln und zukunftsfähig zu machen. Ohne definierte Strategie ist es praktisch unmöglich, Unternehmensentscheidungen konsequent auszurichten.

Strategic Planning: Warum Unternehmen eine Strategie brauchen

Die Strategie zu formulieren ist eine Aufgabe. Sie zu implementieren eine Herausforderung. Schon für die Definition einer Vision und der dazugehörigen Strategie, reicht nicht allein der Blick in die Vergangenheit mit den Finanzkennzahlen. Vielmehr müssen Unternehmen sich immer wieder hinterfragen und neu erfinden. Die (Weiter)-Entwicklung von Unternehmen ist nicht nur ein entscheidender Wettbewerbsvorteil und hilft, Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten. In einer schnelllebigen Zeit, in denen Firmen in rasantem Tempo mit Veränderungen konfrontiert werden, können Unternehmen nur langfristig erfolgreich sein, wenn sie die eigene Entwicklung im Blick behalten und vorantreiben.

Aber warum ist es denn überhaupt wichtig, eine Vision, Mission und Strategie zu implementieren? Stellen Sie sich einmal vor, was passiert, wenn es keine ganzheitliche Zielsetzung im Unternehmen gibt? Vielleicht definiert der Finanzchef ein Kostensenkungsprogramm um das Finanzergebnis zu sichern, während der Vertriebsleiter die Vorgaben setzt, ein Umsatzplus um jeden Preis zu erreichen. Und die Entwicklung liefert Produkte, die Designpreise gewinnen, aber teuer in der Produktion sind. Keine guten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens.

Strategic Planning, also die Definition einer Vision, einer Mission und einer Strategie ist also unabdingbar, um die gesteckten Ziele erreichen zu können. Es hilft aber nichts, wenn dies alles nur zahme Papiertiger sind, die in einer Schublade landen. Jeder Mitarbeiter im Unternehmen muss die für ihn relevanten Ziele kennen, um sein Handeln danach ausrichten zu können. Kennzahlen, die gemessen werden können, helfen, die Ziele zu veranschaulichen und lassen Rückschlüsse zu, ob die gesteckten Ziele erreicht werden.

Management Systeme zur strategischen Ausrichtung gibt es viele. Ein interessantes Werkzeug ist die Balanced Scorecard, die nicht nur auf Finanzkennzahlen aufbaut, sondern explizit auch Prozesse, Kunden und die Entwicklung des Unternehmens in die Managemententscheidung mit einbezieht.

Erfolgreich führen: Vision, Mission und Strategie in Kennzahlen übersetzen

Jeder Sportler prüft regelmässig seinen Leistungsstand. Er träumt vielleicht von einer Olympia-Teilnahme und richtet sein Training konsequent danach aus, zu einem bestimmten Zeitpunkt, seine Leistung abrufen zu können. Das Team, das ihn dabei unterstützt, kennt die Ziele und kennt die Marschroute auf dem Weg dahin. Trainingsdaten der Vergangenheit werden ausgewertet und analysiert, aber auf dem Weg zum Olympia-Sieg geht es auch vor allem darum, zu überlegen, was der Sportler noch lernen muss, in welchen Bereichen er sich noch entwickeln muss, um gewinnen zu können.

Für Unternehmen ist es manchmal nicht so einfach, klare Ziele vorzugeben und das ganze Team darauf einzuschwören, das gesamte Handeln so auszurichten, diese Ziele erreichen zu können. Das Prinzip ist aber eigentlich das gleiche wie beim Sportler in unserem Beispiel. Jedes Unternehmen braucht klare Ziele und eine Marschroute, wie diese erreicht werden sollen. Alle im Team müssen diese kennen, um ihr Handeln darauf aufbauen zu können. Die Marschroute in einem Unternehmen findet sich in der Vision, Mission und der Strategie wieder.

Die Balanced Scorecard hilft dabei, eine Organisation effektiv auf langfristige Ziele auszurichten. Mit dem BSC-Ansatz werden vier verschiedene Ebenen betrachtet:

  • Finanzwirtschaftliche Perspektive
  • Kundenperspektive
  • Prozessperspektive
  • Innovations- und Wissensperspektive (Entwicklung)

Jeder Perspektive werden Kennzahlen zugeordnet, die messbar sind und damit zur Leistungsbeurteilung genutzt werden können. Typische Kennzahlen wie Zeit, Qualität, Rentabilität, Zykluszeiten oder Durchschnittsalter der Produkte werden leicht verstanden und können problemlos ermittelt werden. Darauf aufbauend können Ziele definiert werden. Durch den Abgleich von Soll- und IST-Werten werden harte Fakten geschaffen, Abweichungen von den Vorgaben sind auf einen Blick ersichtlich. Dies ist ein entscheidender Vorteil, denn sie zeigen früh auf, wo die Ziele verfehlt werden. Der BSC-Ansatz ist damit ein effektives Management System, um langfristige Ziele im Auge zu behalten.

Ursache und Wirkung einfach identifizieren

Neben der Ausrichtung an messbaren Kennzahlen spricht für die Anwendung von Balanced Scorecard auch, dass durch die Betrachtung der vier verschiedenen Perspektiven Ursachen und Wirkungen identifiziert werden – eine reine Betrachtung der Finanzkennzahlen würde dies nicht zulassen. Eine klassische Kennzahl der Kundenperspektive ist beispielsweise Wachstum. Wird hier eine Soll-Ist Abweichung festgestellt, hat dies in der Regel Auswirkungen auf Finanzkennzahlen. Aus der BSC wird dies sofort ersichtlich. Wahrscheinlich liefert sie sogar Hinweise, warum das Wachstum gebremst wurde. So könnte dies beispielsweise an der Qualität der Produkte liegen. Hier lohnt sich dann ein genauer Blick auf die Kennzahlen der Prozessperspektive. Ursachenforschung muss also nicht erst mühsam betrieben werden, sondern ergibt sich aus den vorliegenden Kennzahlen.

Wir gehen immer davon aus, dass einzelne Unternehmensbereiche miteinander kommunizieren und vernetzt sind. Dass Informationen ausgetauscht werden und dort verfügbar sind, wo sie benötigt werden. Die Realität zeigt aber leider oftmals ein anderes Bild. Trotz zahlreicher Abstimmungsmeetings und Projektbesprechungen, ist die Kommunikation in Unternehmen oft unzureichend oder schlichtweg zu langsam.

Durch die ganzheitliche Betrachtung, die im BSC-Ansatz genutzt wird, können hingegen schneller und gezielter Massnahmen abgeleitet werden. Die Ursache-Wirkungskette ist transparent und nachvollziehbar. Dies hilft auch bei der unternehmensinternen Kommunikation, da die Kennzahlen im ganzen Unternehmen schnell verstanden werden. Und sind Abweichungen und Probleme bekannt, dann können die betroffenen Bereiche gemeinsam Massnahmen definieren und die Probleme beheben.

BSC, mehr als ein Kennzahlen Tableau

Daten liegen heute in Massen vor – Big Data eben. Nun gilt es, die richtigen Daten herauszufiltern und mit den Kennzahlen zu arbeiten, die entscheidend sind. Wichtig ist dabei immer, dass Kennzahlen messbar sind. Die Herausforderung liegt nicht mehr in der Datenmenge – Speicherplatz ist günstig, es geht vielmehr um die Datenqualität. Auch hier hilft der BSC-Ansatz, der zwar verschiedenen Perspektiven berücksichtigt, sich aber dennoch auf die wesentlichen und vor allem messbaren Kennzahlen beschränkt.

Aufbauend auf den Informationen, die geliefert werden, können weiterführende Management Tools wie beispielsweise Lean Management ansetzen und geeignete Massnahmen einleiten. Kundenorientierung und die Vermeidung von Zeit und Ressourcen zeichnen Lean Management aus. Sollte dies in einem Unternehmen vorliegen, wird dies durch die Anwendung der BSC mehr als deutlich. Sie kann also ein mächtiges Tool sein, um sofort Massnahmen einleiten zu können.

Mit dieser Transparenz ist es einfacher, Vision, Mission und Strategie weiter zu entwickeln. Mit den vorliegenden Daten ist es ersichtlich, welche Stärken und Schwächen, Potenziale und Gefahren vorliegen und wie mit diesen umgegangen werden muss.

Hilfreiches Management System oder reine Arbeitsbeschaffung?

An ihre Grenzen stösst die BSC, wenn falsche Daten vorliegen und mit diesen gearbeitet wird. Auch kann es eine Herausforderung sein, die relevanten Kennzahlen zu ermitteln. Wie immer gilt, Soll-Ist Vorgaben müssen realistisch sein und keine Wunschträume ehrgeiziger Manager. Auch müssen alle Faktoren immer wieder geprüft und gegebenenfalls angepasst werden, was mit Aufwand verbunden ist. Diese Schwierigkeiten gibt es aber bei jedem Management System. Für die Implementierung in einem unternehmen sprechen jedoch die erwähnten Vorteile.

Mit den genutzten Kennzahlen ist es allerdings leichter, klar messbare und transparente Ziele zu definieren und zu überwachen. Durch die Betrachtung der vier Perspektiven wird das Unternehmen ganzheitlich beleuchtet, Ursache und Wirkung werden schnell deutlich. Und beides zusammen, also der Einsatz der Kennzahlen und die Transparenz bei den Soll-Ist Abweichungen und den einzelnen Einflussgrössen, können schnell und gezielt Massnahmen definiert werden. Dadurch ist die Balanced Scorecard ein praktisches Werkzeug, dass nicht nur auf einen Blick die grössten Problemfelder deutlich macht, sondern auch hilft, Ziele im Unternehmen zu kommunizieren.

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