Marc Gasser
Zurück zum Blog

Lead Research und ICP: die erste Bauphase jedes GTM-Teams

Signal-based Sellinghyper-personalisierung

Lead Research scheitert fast nie an den Tools. Sie scheitert daran, dass niemand definiert hat, wen man eigentlich sucht.

Ich baue gerade meine 10. Firma. In jedem GTM-Team, das ich aufbaue, ist der erste Schritt derselbe. Nicht ein Tool kaufen. Nicht eine Liste ziehen. Sondern das Ideal Customer Profile definieren. Wen wollen wir, und woran erkennen wir ihn von aussen?

Das ist Phase 1. Im Loop, den ich im Framework auf gtm.science unterrichte, heisst sie DECODE. Erst danach kommt alles andere.

Was du hier mitnimmst

  • Warum das ICP vor jeder Lead Research steht.
  • Wie ich das ICP mit einem Team in drei Schritten definiere.
  • Wie aus dem ICP Signale werden, die Tools finden koennen.
  • Warum Marketing und Sales hier zusammenkommen muessen.

Die These: erst das ICP, dann die Liste

Qualitaet vor Quantitaet. Der Satz steht in jedem Sales-Buch. Trotzdem macht es kaum jemand. Die meisten Teams starten mit der Frage Welche Datenbank nehmen wir? Die richtige erste Frage ist Wen suchen wir und warum lohnt er sich?

Ohne diese Antwort ist jede Liste ein Ratespiel. Mit ihr wird Lead Research zur Praezisionsarbeit.

Lead Research ohne ICP ist Daten-Sammeln ohne Richtung.

🧨 Das Problem: Prospecting ohne Definition

Prospecting, also das Finden potenzieller Kunden, ist eine milliardenschwere Branche. Firmen stellen ganze Lead-Research-Teams ein. Es gibt Dutzende Tools, viele davon hervorragend. Und trotzdem trocknet bei vielen die Pipeline aus.

Der Grund: Prospecting wird oft nur im Sales angesiedelt. Das ist zu spaet. Die Suche nach den richtigen Leads beginnt im Marketing, mit einer gemeinsamen Definition. Firmen mit koordiniertem Marketing und Sales wachsen schneller. Die Zahl, die seit Jahren kursiert: 27 Prozent schnelleres Umsatzwachstum, wenn beide Teams abgestimmt arbeiten. Die Definition des ICP ist der Ort, an dem diese Abstimmung beginnt.

🛠️ Wie ich das ICP mit einem Team baue

Ich mache das mit jedem Team in drei Schritten. Kein Workshop ueber Wochen. Ein fokussierter Block.

  • 1. Firmographics festlegen. Branche, Groesse, Region, Reifegrad. Nicht Wer koennte kaufen, sondern Wer kauft schon und warum. Wir schauen auf die besten zehn Bestandskunden und suchen das Muster.
  • 2. Die Buyer Persona schaerfen. Wer sitzt am Tisch? Decision Maker, Champion, Veto-Geber. Im B2B kauft eine Gruppe, kein Einzelner. Jede Rolle hat eigene Fragen.
  • 3. Signale ableiten. Woran erkenne ich das ICP von aussen, ohne nachzufragen? Welche Technologien setzen sie ein? Welche Rollen stellen sie gerade ein? Welche Ausloeser zeigen, dass jetzt der Moment ist?

Erst nach diesen drei Schritten reden wir ueber Tools. Vorher nicht.

🤖 Die Tools, bewusst kurz

Wenn das ICP steht, sind die Tools fast eine Nebensache. LinkedIn und der Sales Navigator sind die aktuellste, von den Leads selbst gepflegte Kontaktdatenbank fuer B2B. Datenanbieter wie Apollo, Zoominfo oder Clearbit liefern Kontaktdaten in der Breite, mit einer Genauigkeit von rund 80 Prozent, am staerksten bei grossen Firmen in Nordamerika. IP-Tracking zeigt dir, welche Unternehmen deine Webseite besuchen. Plattformen wie Clay kombinieren mehrere Quellen.

Aber jedes Tool ist nur so gut wie die Frage, die du ihm stellst. Die Frage kommt aus dem ICP. Ein Tool ohne Definition findet dir mehr Leads, nicht bessere.

Das staerkste Argument: Signale statt Volumen

Hier kommt der Teil, der 2026 alles veraendert. Frueher hiess Lead Research: moeglichst viele Kontakte anreichern und dann durchtelefonieren. Heute heisst es: auf Signale reagieren.

Ein sauber definiertes ICP wird zu einer Liste von Signalen, die AI-Agents rund um die Uhr beobachten koennen. Eine neue Finanzierungsrunde. Ein Wechsel in der Fuehrung. Eine neu eingesetzte Technologie. Eine offene Stelle, die auf Wachstum hindeutet. Das nenne ich signalbasiertes Vorgehen.

Genau das ist der Punkt der Context Engine, des Business-Kontextes deiner Firma, aufbereitet als Grundlage fuer AI-Agents. Ohne diese Grundlage gilt: Garbage in, Garbage out. Mit ihr macht ein Hyperlean-Team die Arbeit von dreissig Leuten. Ein paar Profis plus AI-Agents. Drei statt dreissig. Das ist Get Multiplayer.

🎢 Highs, Lows, Warnung

Was funktioniert. Ein ICP, das auf echten Bestandskunden basiert und sich in beobachtbare Signale uebersetzt.

Was nicht funktioniert. Mit der Tool-Auswahl starten, bevor die Definition steht.

⚠️ Warnung. Es geht nie um aggressive oder unethische Methoden. Es geht um Relevanz und echten Wert. Ein praezises ICP heisst, weniger Menschen zu stoeren, nicht mehr.

Lead Research scheitert fast nie an den Tools. Sie scheitert an der fehlenden Definition. Deshalb ist das ICP die erste Bauphase, die ich mit jedem Team mache. Wer hier sauber arbeitet, fuettert keine Kontaktleichen ins CRM, sondern baut eine Pipeline, die kompoundiert. Von Gruender zu Gruender: definiere das ICP, bevor du die erste Liste ziehst.

Geschrieben von

Operator, Gründer, Autor

Marc arbeitet an der Schnittstelle von Product, GTM und AI. Neun Firmen gegründet, drei Exits, 300 Mitarbeitende geführt als CCO, 25 Jahre B2B-Software in Zürich. Die 10. Firma, teklens.ai, ist gerade im Bau (Hiring now). Er redet wie jemand, der gebaut, verkauft und geführt hat,