MQLs funktionieren nicht. So bringt eine qualifizierte Pipeline Marketing und Sales zusammen
MQLs sind Schnee von gestern. Drei Buchstaben, die jahrelang als heiliger Gral galten und heute vor allem eines tun: einen Keil zwischen Marketing und Sales treiben.
Ich habe in 25 Jahren B2B-Software viele GTM-Teams gebaut und gefuehrt. Das Muster ist immer gleich. Marketing jagt die MQL-Masse, je mehr, desto besser. Sales bekommt einen Berg Kontakte und sagt am Monatsende: "Die Leads waren alle Muell." Beide haben recht. Beide sind frustriert. Und keiner schliesst mehr Deals.
Das ist keine Reporting-Frage. Das ist eine Fuehrungsfrage. Wer ein GTM-Team baut, definiert, was eine echte Chance ist. Tut das niemand, definiert es das schwaechste Tool.
What you'll learn
- Warum die MQL-Masse Marketing und Sales spaltet.
- Wie eine Weighted Qualified Pipeline aus zwei Teams eines macht.
- Warum die Pipeline-Definition eine Fuehrungsaufgabe ist, keine Metrik.
Die These: Tausch die MQL-Masse gegen eine Weighted Qualified Pipeline. Ein gewichteter Pipeline-Wert in Franken und Euro, den Marketing und Sales gemeinsam verantworten.
🧨 Das Problem: Masse statt Qualitaet
MQL steht fuer Marketing Qualified Lead. Die Idee war einmal gut: Marketing sammelt Leads, filtert die kaufbereiten heraus, gibt sie an Sales. Sales schliesst ab. Klingt sauber.
In der Praxis bricht es an der Qualitaet. Wer Marketing an der MQL-Zahl misst, bekommt Masse. Ein Grossteil dieser Leads hatte nie einen Kaufimpuls, kein Signal. Sales arbeitet sie ab, findet nichts, schiebt die Schuld zurueck. Marketing hat seine Quote erfuellt und versteht die Klage nicht.
Das ist MQL-Theater. Zwei Teams optimieren auf zwei verschiedene Zahlen und wundern sich, dass sie nicht am gleichen Strang ziehen. Genau das meine ich mit stuck in the middle: das Produkt laeuft, aber Marketing und Sales sind ein Haufen Tools, kein System.
🛠️ Wie man eine qualifizierte Pipeline baut
Die Loesung ist die Weighted Qualified Pipeline. Statt Leads zu zaehlen, gewichtest du jeden Deal nach Abschlusswahrscheinlichkeit und Umsatz. Ein Deal mit 70 Prozent Wahrscheinlichkeit und 100'000 Franken Volumen steht mit 70'000 Franken in der Pipeline. So bildet die Pipeline den realen Wert ab, nicht eine leere Zahl.
Das Herzstueck sind Qualified Connections. Eine Qualified Connection ist mehr als ein Datensatz aus einem Formular. Es ist eine echte Verbindung zu einem potenziellen Kunden, die durch Interaktion und Interesse an Bedeutung gewinnt. Marketing jagt nicht mehr Adressen, Marketing baut Beziehungen.
So baust du das auf, in drei Schritten:
- 1. Engagement-Signale lesen. Wie aktiv ist der Kontakt? Oeffnet er Mails, kommt er zum Webinar, stellt er Fragen? Die Signale zeigen, wo er in der Buyer Journey steht.
- 2. Verbindliche Abmachung treffen. Marketing und Sales legen gemeinsam fest, wer als qualifiziert gilt und welche Infos vorliegen muessen, bevor ein Deal in die Pipeline kommt. Das ist der Fuehrungsakt, nicht das Reporting.
- 3. Kontinuierlich abstimmen. Keine blinde Uebergabe. Regelmaessige Feedback-Schleifen, in denen Sales an Marketing zurueckmeldet und beide den Prozess nachjustieren.
🤖 Ein KPI, den auch deine Agents verstehen
Hier kommt 2026 dazu. Die Weighted Qualified Pipeline ist ein KPI, den jeder versteht, vom CEO bis zum Sales-Rep. Und sie ist ein KPI, auf den AI-Agents hinarbeiten koennen.
AI-Agents uebernehmen die Routine: anreichern, Signale beobachten, personalisiert ansprechen. Aber sie brauchen eine klare Definition, was eine echte Chance ist. Diese Definition ist Kontext. Generische AI ohne Kontext optimiert auf die falsche Zahl, also wieder auf Masse. Garbage in, Garbage out. Mit einer sauberen Pipeline-Definition als Grundlage spielen ein paar Profis plus AI-Agents gross, drei statt dreissig. Das ist Autonomous GTM: das GTM laeuft mit kleinem Team und Agents, als waeren es dreissig.
🎢 Outro: Vom Keil zur gemeinsamen Zahl
✅ What shines. Ein gemeinsamer KPI schafft Transparenz. Jeder sieht, wie viel echtes Potenzial in der Pipeline steckt.
❌ What doesn't shine. Eine gewichtete Pipeline ist unbequem. Sie zeigt schonungslos, wenn wenig Echtes drin ist. Die MQL-Zahl war bequemer, weil sie luegen durfte.
⚠️ Warning. Ohne verbindliche Abmachung zwischen Marketing und Sales bleibt es Theater mit neuem Namen. Die Definition ist die Arbeit, nicht das Dashboard.
Ich habe am Anfang gesagt, MQLs treiben einen Keil zwischen die Teams. Eine Weighted Qualified Pipeline zieht ihn wieder raus. Marketing und Sales arbeiten auf dieselbe Zahl hin, in Franken und Euro. Mehr Abschluesse, weniger Frust. Aber das passiert nur, wenn jemand fuehrt und die Pipeline definiert. Das ist deine Aufgabe, nicht die deines Reporting-Tools.
Operator, Gründer, Autor
Marc arbeitet an der Schnittstelle von Product, GTM und AI. Neun Firmen gegründet, drei Exits, 300 Mitarbeitende geführt als CCO, 25 Jahre B2B-Software in Zürich. Die 10. Firma, teklens.ai, ist gerade im Bau (Hiring now). Er redet wie jemand, der gebaut, verkauft und geführt hat,